Industriestrategie 2035: Neue Chancen für Österreichs KMU

Österreichs Industrie steht vor einem entscheidenden Jahrzehnt. Mit der Industriestrategie 2035 setzt die Bundesregierung auf Technologie, Wettbewerbsfähigkeit und Transformation – und eröffnet damit neue Perspektiven für KMU, die aktiv an der industriellen Zukunft mitgestalten wollen.

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Industriestrategie 2035: Neue Chancen für Österreichs KMU

Mit der Industriestrategie Österreich 2035 hat die Bundesregierung Anfang 2026 einen umfassenden industrie- und technologiepolitischen Rahmen vorgelegt, der auf Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Transformation der heimischen Industrie abzielt. Sie ist nicht nur ein Leitlinienpapier für große Konzerne, sondern direkt relevant für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – als Basis für Investitionen, Technologieentwicklung und partizipative Transformation.

Die Strategie versteht sich explizit als technologiepolitische Wachstumsstrategie, die Deindustrialisierung entgegenwirken, industrielle Wertschöpfung in Österreich sichern und den Standort langfristig stärken soll. Dafür verknüpft sie Industriepolitik mit 9 ausgewählten Schlüsseltechnologien. Innovation, Fachkräfte, Energie- und Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind darin ebenfalls als strategische Wettbewerbsfaktoren verankert. All dies eröffnet neue Chancen für KMU in Österreich.

I. Überblick: Ziele, Ausrichtung und Finanzierung der Industriestrategie Österreich 2035

Die Industriestrategie Österreich 2035 wurde im Jänner 2026 von der Bundesregierung vorgestellt und hat das ambitionierte Ziel, den industriellen Wertschöpfungsanteil Österreichs langfristig zu stärken, Deindustrialisierung zu stoppen und den Standort auf zukünftige Herausforderungen auszurichten. Sie setzt Einflussfelder wie Innovation, Technologie, Energie, Fachkräfte und Transformation neu zusammen.

Wesentliche Eckpunkte:

  • Investitionsvolumen: Rund 2,6 Mrd. Euro (bis 2029) aus dem Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) – mit klaren Zuordnungen zu Technologie- und Transformationsfeldern, inkl. einer Schlüsseltechnologiemilliarde für 9 Schlüsseltechnologien.

  • 114 Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern, u. a. Forschung & Innovation, Energie, Bildung & Fachkräfte, Kreislaufwirtschaft & Transformation.

  • Ziel: Österreich bis 2035 zu den Top-10 OECD-Ländern bei Industrieproduktion und Wettbewerbsfähigkeit zählen.

Die Strategie positioniert die Industrie als Rückgrat des Wohlstands und der Beschäftigung, betont die langfristige Planungs- und Investitionssicherheit und verknüpft diese mit Klimazielen, digitaler Transformation und gesellschaftlicher Teilhabe.

II.  Neun Schlüsseltechnologien – Fokus für Innovation und Produktion

Die Strategie definiert erstmals neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder, die als Innovations- und Wettbewerbsanker dienen sollen:

  1. Künstliche Intelligenz & Dateninnovation

  2. Chips, Mikroelektronik & elektronische Systeme

  3. Fortgeschrittene Produktionstechnologien & Robotik

  4. Quantentechnologien & Photonik

  5. Advanced Materials

  6. Life Sciences & Biotech

  7. Energie- und Umwelttechnologien

  8. Mobilitätstechnologien

  9. Weltraum- und Luftfahrttechnologien

Diese Felder repräsentieren Bereiche, in denen Österreich bereits Kompetenzen besitzt oder strategisch aufbauen sollte, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Von KI-gestützter Produktion über nachhaltige Mobilität bis zu quantenbasierten Anwendungen sollen diese Technologien die industrielle Basis verbessern und bereits vorhandene Stärken weiter ausbauen[1].

 III.  Kreislaufwirtschaft – strategischer Wettbewerbsfaktor

Erstmals wird in der Industriestrategie Kreislaufwirtschaft nicht als Nischenthema, sondern als integraler Bestandteil industrieller Transformationspolitik verankert.

Wesentliche Elemente:

  • Verknüpfung mit Wettbewerbsfähigkeit: Kreislaufwirtschaft wird als Antwort auf knappe Ressourcen, geopolitische Unsicherheiten und volatile Rohstoffmärkte verstanden. Sie unterstützt Versorgungssicherheit, Resilienz und Stabilität der Wertschöpfungsketten.

  • Rohstoffstrategie: Fokus auf Sekundärrohstoffe, Recycling, Aufbereitungscluster, digitale Ressourcenplattformen und den europäischen Digitalen Produktpass.

  • Ressourcenproduktivität & Zirkularitätssteigerung: Die strategische Orientierung folgt klaren Zielsetzungen, die auch in der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie verankert sind – etwa Steigerung der Ressourcenproduktivität und Erhöhung der Zirkularitätsrate bis 2030.

Diese Verankerung ist zwar ein erster wichtiger Schritt zur Stärkung der Rohstoffunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutzwirkungen. Themen, wie Produktdesign, Nutzungsdauer und neue Geschäftsmodelle müssten in der Praxis jedoch noch stärker verfolgt und operationalisiert werden, damit die Ziele der Kreislaufwirtschaft, wie Ressourcenreduzierung, auch tatsächlich realisiert werden.

IV. Relevanz für KMU – Welche Chancen sind mit der Strategie für KMU verbunden

Die Industriestrategie ist direkt für KMU relevant, weil diese den größten Teil der industriellen Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich tragen.

KMU profitieren auf mehreren Ebenen:

Zugang zu Schlüsseltechnologien: Förderprogramme und Pilot- oder Demonstrationsprojekte öffnen KMU den Zugang zu Technologien wie KI, Advanced Materials, Energie- oder Produktionstechnologien, die sonst nur im Großkontext erreichbar wären, werden auch für KMU zugänglich gemacht.

Stärkung der Innovationsbasis: Neben themenspezifischen Programmen werden themenoffene Formate (Basisprogramme, Infrastrukturen, Qualifizierung) gefördert, die sich besonders an KMU richten. Viele dieser Investitionen lassen sich ex-post KMU-nahen Bereichen wie Produktionstechnologien und Life Sciences zuordnen.

Integration in Wertschöpfungsketten: Durch Kooperationen zwischen Forschung, Großunternehmen und KMU werden lokale Lieferketten robust und innovationsstark. KMU können so als spezialisierte Zulieferer oder Technologiepartner eingebunden werden.

Verbesserte Rahmenbedingungen: Maßnahmen zur Energiepreisentlastung, Finanzierung und Entbürokratisierung adressieren strukturelle Hindernisse. Diese Punkte treffen besonders häufig KMU, die durch die Strategie Erleichterungen erwarten können, da diese in diesen Bereichen langfristige Planungssicherheit schafft.

Kreislaufwirtschaft: Für viele KMU bieten kreislauforientierte Geschäftsmodelle neue Marktchancen – etwa in Recycling, Aufbereitung, Reparatur, Wiederverwendung und digitalen Ressourcenservices.

V. Umsetzung und nächste Schritte

Die Umsetzung erfolgt über sieben Handlungsfelder – von Forschung, Technologie & Innovation über Energie bis zu Kreislaufwirtschaft & Transformation – und umfasst 114 Maßnahmen. Ihre Finanzierung erfolgt wesentlich über den Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) bis 2029, der als finanzielles Fundament für Investitionen in Zukunftstechnologien dient. Für Unternehmen bedeutet dies mehrjährige Planungssicherheit bei Investitionsentscheidungen und Innovationsprojekten. Die Umsetzung erfolgt dabei vor allem über bestehende Förderinstitutionen und Programme (z. B. FFG, Klima- und Energiefonds, FTI-Pakt), die gezielt ausgebaut werden sollen.

Für KMU bedeutet die Abwicklung über existierende Instrumente kaum administrativen Zusatzaufwand bei gleichzeitiger Nutzung bestehender Vorteile. Diese Programme werden in den nächsten Wochen und Monaten ausgerollt - wir halten Sie darüber auf dem Laufenden!


[1] So ist Österreich Vorreiter bei vielen Technologien. Zum Beispiel wird jede siebte Kilowattstunde erneuerbarer Strom weltweit mit Technologie der Firma Andritz erzeugt. Mit Sandoz befindet die letzte voll integrierte Penicillin-Produktion der westlichen Welt in Tirol. In Linz stellte die voestalpine im Vorjahr die ersten CO2-frei erzeugten Schienen der Welt her. Die neue Londoner U-Bahn wird zu weiten Teilen in Wien und Graz herstellt (Siemens Mobility und Standler Rail). Und auch bei Robotik, Quantentechnologie und der Erforschung neuer Materialien sind heimische Unternehmen und Forscher an vorderster Front dabei.