Nachhaltige öffentliche Aufträge: Was die BVergG-Novelle 2026 für KMU bedeutet

Mit der BVergG-Novelle 2026 (BGBl. I Nr. 8/2026) hat Österreich sein Vergaberecht modernisiert. Ein zentrales Ziel der Reform ist es, die öffentliche Beschaffung stärker auf Nachhaltigkeit auszurichten.

(c) Anna Shvets

Mit der BVergG-Novelle 2026 (BGBl. I Nr. 8/2026) hat Österreich sein Vergaberecht modernisiert. Ein zentrales Ziel der Reform ist es, die öffentliche Beschaffung stärker auf Nachhaltigkeit auszurichten. Öffentliche Auftraggeber – Bund, Länder, Gemeinden und öffentliche Unternehmen – sollen künftig systematisch ökologische, soziale und innovative Kriterien berücksichtigen. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eröffnet diese Entwicklung neue Chancen, bringt aber auch neue Anforderungen mit sich. In diesem Beitrag erklären wir, was sich konkret geändert hat und worauf KMU achten sollten.

Warum Nachhaltigkeit im Vergaberecht wichtiger wird

Die öffentliche Hand ist einer der größten Auftraggeber in Österreich. Mit der Reform wird Beschaffung bewusst als Instrument für Klima- und Nachhaltigkeitspolitik genutzt. Das bedeutet: Öffentliche Aufträge werden künftig nicht mehr nur nach dem niedrigsten Preis, sondern verstärkt nach Qualität, Umweltwirkung und gesellschaftlichem Mehrwert vergeben. Für Unternehmen, die nachhaltige Lösungen anbieten, kann das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.

1. Nachhaltigkeit wird zum festen Bestandteil von Ausschreibungen

Eine der wichtigsten Änderungen: Nachhaltigkeit ist stärker im Vergabeverfahren verankert. Öffentliche Auftraggeber sollen bereits bei der Planung einer Ausschreibung überlegen, wie Umwelt- und Sozialaspekte berücksichtigt werden können.

Typische Anforderungen können etwa sein:

  • energieeffiziente Produkte

  • geringe CO₂-Emissionen

  • nachhaltige Materialien

  • langlebige und reparierbare Produkte

  • recyclingfähige Komponenten

  • sozial verantwortliche Lieferketten

Was das für KMU bedeutet

Unternehmen mit ressourcenschonenden Produkten, regionaler Produktion oder innovativen Lösungen können dadurch deutlich bessere Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen haben.

2. Qualität zählt mehr als der niedrigste Preis

Die Novelle stärkt das sogenannte Bestbieterprinzip. Das bedeutet: Der Zuschlag soll häufiger an das wirtschaftlich und qualitativ beste Angebot gehen – nicht automatisch an das billigste.

In die Bewertung können beispielsweise einfließen:

  • Umweltwirkungen eines Produkts

  • Energieverbrauch während der Nutzung

  • Wartungs- und Betriebskosten

  • Innovationsgrad der Lösung

Vorteil für KMU

Viele KMU können nicht mit den niedrigsten Preisen großer Anbieter konkurrieren, wohl aber mit Qualität, Spezialisierung und Innovation. Genau diese Faktoren gewinnen jetzt an Bedeutung.

3. Lebenszykluskosten werden stärker berücksichtigt

Ein weiteres wichtiges Instrument ist die Bewertung von Lebenszykluskosten. Statt nur den Anschaffungspreis zu betrachten, können Auftraggeber die Kosten über die gesamte Nutzungsdauer bewerten, etwa: Energieverbrauch - Wartungs- und Reparaturkosten - Entsorgung oder Recycling

Beispiel

Ein Gerät mit höherem Anschaffungspreis kann langfristig günstiger sein, wenn es:

  • weniger Energie verbraucht

  • länger hält

  • einfacher zu reparieren ist.

Vorteil für KMU: Viele innovative oder nachhaltige Produkte schneiden bei einer Lebenszyklusbetrachtung deutlich besser ab als günstige Standardlösungen.

4. Kreislaufwirtschaft wird wichtiger

Die Reform unterstützt auch die Circular Economy.

Öffentliche Auftraggeber können etwa verlangen:

  • reparierbare Produkte

  • modulare Bauweisen

  • Rücknahme- oder Recyclingkonzepte

  • wiederverwendbare Materialien

Chancen für KMU: KMU, die auf Reparatur, Wiederverwendung oder nachhaltige Materialien spezialisiert sind, können hier besonders profitieren.

5. Nachhaltigkeit wird auch in der Vertragsphase überprüft

Nachhaltigkeitsanforderungen können künftig nicht nur in der Ausschreibung stehen, sondern auch Teil der Vertragsbedingungen sein.

Beispiele:

  • Einsatz bestimmter umweltfreundlicher Materialien

  • Einhaltung von Umweltstandards während der Leistungserbringung

  • Berichtspflichten zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen

Was KMU beachten sollten

Unternehmen sollten sicherstellen, dass sie die versprochenen Nachhaltigkeitsleistungen auch tatsächlich umsetzen können, da diese überprüft werden können.

Tipps für KMU: So können Sie sich vorbereiten

Die Reform bietet viele Chancen, besonders für innovative und nachhaltige Unternehmen. Einige Schritte können helfen, diese besser zu nutzen:

1. Nachhaltigkeitsaspekte sichtbar machen
Dokumentieren Sie Umwelt- oder Sozialleistungen Ihres Unternehmens (z. B. Energieeffizienz, regionale Lieferketten).

2. Zertifizierungen prüfen
Umwelt- oder Qualitätszertifikate können bei Ausschreibungen hilfreich sein.

3. Lebenszyklusvorteile kommunizieren
Zeigen Sie nicht nur den Preis, sondern auch langfristige Kostenvorteile Ihrer Produkte.

4. Ausschreibungen regelmäßig beobachten
Digitale Vergabeplattformen erleichtern heute den Zugang zu öffentlichen Aufträgen.

Auf den Punkt gebracht
Die BVergG-Novelle 2026 macht Nachhaltigkeit zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Beschaffung in Österreich.

Für KMU bedeutet das:

  • mehr Chancen für nachhaltige und innovative Lösungen

  • weniger Fokus auf den niedrigsten Preis

  • aber auch höhere Anforderungen an Nachweise und Transparenz.

Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen aktiv darstellen und weiterentwickeln, können von dieser Entwicklung besonders profitieren.