VSME wird VS: Was sich für KMU bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung ändert

Ein neuer Standard für nachhaltiges Wirtschaften

Die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt sich weiter: Am 3. Juli 2026 hat die EU-Kommission den neuen „Voluntary Standard" (VS) zur Nachhaltigkeitsberichterstattung als delegierten Rechtsakt verabschiedet. Der VS baut auf dem bisherigen VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) auf, gilt künftig für Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden und bringt einige Vereinfachungen mit sich.

Für viele Unternehmen stellt sich nun die Frage: Was ändert sich konkret, und welche Bedeutung hat der neue Standard für die Praxis?

Warum der VSME weiterentwickelt wurde

Die EFRAG hatte den VSME ursprünglich als freiwilligen, pragmatischen Standard für nicht berichtspflichtige KMU entwickelt – als schlankere Alternative zu den umfangreichen ESRS-Anforderungen. In der Praxis zeigte sich jedoch: Unternehmen, Banken und Geschäftspartner brauchen einen europaweit anerkannten Referenzrahmen, um ESG-Informationen effizient auszutauschen. Mit dem VS geht die EU-Kommission daher einen Schritt weiter und überführt den VSME in einen rechtlich verankerten, breiter angelegten freiwilligen Standard.

Die wichtigste Neuerung: der Value Chain Cap

Viele kleine Unternehmen berichten seit Jahren, dass große Kunden entlang der Lieferkette umfangreiche ESG-Daten anfordern – oft deutlich mehr, als für ein KMU leistbar ist. Genau hier setzt der neue Value Chain Cap an: Er begrenzt, welche Nachhaltigkeitsinformationen berichtspflichtige Unternehmen von ihren kleineren Geschäftspartnern verlangen dürfen.

Gegenüber dem bisherigen VSME entfallen zudem einige Anforderungen bzw. wurden vereinfacht:

  • Die GHG-Intensität ist im neuen Standard nicht mehr durchgängig verpflichtend.

  • Die Angaben zum Gender Pay Gap wurden angepasst und sind nicht in jedem Fall erforderlich.

  • Detaillierte Biodiversitätsdaten wurden deutlich vereinfacht.

Mehr Unterstützung für die Umsetzung

Parallel zur Weiterentwicklung des Standards stellt die EFRAG zahlreiche Hilfestellungen bereit: Supporting Guides, Praxisbeispiele und Fallstudien, einen Market Acceptance Report sowie digitale, mehrsprachige Reporting-Templates. Die Botschaft dahinter: Nachhaltigkeitsberichterstattung soll auch für kleinere Unternehmen praktikabel bleiben.

Was bedeutet das für Banken, Kunden und Förderstellen?

Auch wenn der VS freiwillig bleibt, dürfte seine Bedeutung in den kommenden Jahren deutlich steigen. Schon heute benötigen Banken, Investoren, Fördergeber und große Auftraggeber ESG-Informationen, um Risiken zu bewerten und regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsdaten strukturiert bereitstellen, profitieren durch effizientere Beantwortung von Kundenanfragen, bessere Vorbereitung auf Finanzierungsprozesse und höhere Transparenz gegenüber Stakeholdern. Der VS könnte sich damit zu einem gemeinsamen „ESG-Datenstandard" für den Mittelstand entwickeln.

Einschätzung für KMU

Für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt sich der ehemalige VSME zunehmend zum europäischen Referenzstandard für freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung. Besonders relevant sind:

  • geringerer Aufwand durch den Value Chain Cap

  • höhere Marktakzeptanz bei Banken und Kunden

  • bessere Vergleichbarkeit von ESG-Informationen

  • praxisnahe Umsetzungshilfen durch die EFRAG

  • gute Vorbereitung auf zukünftige regulatorische Entwicklungen

Fazit: Jetzt einsteigen lohnt sich

Aus dem VSME entsteht schrittweise ein neuer freiwilliger Nachhaltigkeitsstandard mit größerer Reichweite und höherer Marktakzeptanz. Besonders der Value Chain Cap sowie die umfangreichen Praxishilfen der EFRAG zeigen, dass die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen stärker berücksichtigt werden.

Auch wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen noch weiterentwickelt werden, zeigt die Richtung klar nach vorne: ESG-Daten werden zunehmend Teil der unternehmerischen Informationsbasis. Wer frühzeitig Prozesse aufbaut, relevante Kennzahlen identifiziert und die Datenerhebung organisiert, reduziert nicht nur regulatorische Risiken, sondern sichert sich auch Wettbewerbsvorteile gegenüber Kunden und Finanzierungspartnern.

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